Kunst

Die Kunst ist das ästhetische Mittel, welches – gänzlich unabhängig vom dagegen gerade erst begründeten Technetoismus – über Jahrtausende hin festes Merkmal aller Kulturen gewesen ist. Unterschiedliche Definitionen sind im Verlauf der Zeit entstanden, in denen die Intention, die qualitative Leistung, der kulturelle Wert, die Autonomie oder andere Faktoren als die Frage, was nun Kunst, echte Kunst, eigentlich sei, zur entscheidenden Charakteristik dieses Begriffes wurden. Der Technetoismus will sie möglichst wertfrei und allgemein definieren, gleichermaßen aber auch in seine Kunstdefinition nur die Bereiche einschließen, welche Medien als Ausdrucksform verwendet, denn schließlich finden sich in Ausdrücken wie der Heilkunst oder der "Kunst des Handwerks" auch implizite Definitionen, die eher auf die Achtung der getätigten Leistung, die mit der eines Malers oder Dichters als gleichauf empfunden wurde, zurückzuführen sind, als auf das entstehende Kunstwerk – wenn dieses auch bei den in die technetoistische Definition eingeschlossenen Kunstformen nicht zwangsläufig als materielles Objekt entsteht. Dies begann nicht erst beim Happening, sondern war gewissermaßen auch in der Musikinterpretation (zeitlich varrierter Schalldruck als nichtmaterielles Medium) oder dem Schauspiel (als möglichst anatomische, weniger praktische Analogie: zeitlich varrierte Kontraktion der Gelenke sowie deren räumliche Bewegung) schon immer so gewesen.

Kunst bezeichnet die Gesamtheit der technischen Methoden, die durch einwirkende Veränderung eines Mediums als Ausdruckmittel verwendet werden können. [1]

Kunst wird über die Sinnesorgane wahrgenommen, und hat die Eigenschaft, sich über weite Distanzen transportieren zu lassen. Die allgemeine Tatsache, dass es überhaupt möglich ist, ein Kunstwerk anderen Personen zugänglich zu machen, hat den philosophischen und kunstkritischen Diskurs erst ermöglicht. Bei der Wahrnehmung über die Sinnesorgane gibt es prinzipiell keine Grenzen, auch, wenn für viele wichtigen Formen wie Malerei, Grafik, Film, Skulptur (hier mit zusätzlicher Wahrnehmung der Tiefe), Schauspiel, Musik und Literatur in Grunde nur die Fähigkeit des Sehens und Hörens erforderlich sind. Die Literatur hat hier die besondere Position, prinzipiell über alle Medien wahrnehmbar zu sein – es wäre bei aller fehlenden praktischen Bedeutung auch möglich, durch eine Folge unterscheidbarer Geruchsstoffe den Inhalt eines Textes darzustellen, solange nur jede Folge von Gerüchen einem Symbol oder einer Gruppe von Symbolen zugeordnet ist. Nicht für den Menschen und seine Sinnesorgane unmittelbar von Bedeutung funktioniert so auch die Funktechnik, in der die für den Menschen nicht wahrnehmbaren elektromagnetischen Wellen gebraucht werden, um Texte oder als Zeichenfolge quantisierte Bild- , Ton und andere Inhalte durch deren Modulation zu übertragen.

Durch ihre Jahrtausende alte und gleichermaßen lebendige Geschichte ist es hier nicht möglich, einen ähnlichen ersten Eindruck von der Kunst zu geben, wie es etwa bei der Simulation durchaus möglich gewesen ist – wenn auch dieser Artikel keinesfalls eine Zusammenfassung aller Erkenntnisse der relevanten Teilgebiete der Mathematik, den Erkenntnissen des Game Designs und sonstigen Bereichen ist, welche dort von Bedeutung sind. Ein Punkt jedoch scheint speziell erwähnenswert, gerade wegen des vielfälgigen Gebrauches des Begriffes Kunst in gewissen Kontexten, die im Technetoismus entgegen der üblichen Definition nicht notwendig, ja sogar irreführend ist: Die tendenziell bestehende Unterteilung zwischen Hoch- und Massenkultur (gerne wird auch, da wohl vermeintlich weniger wertend, nur noch von der Kultur sowie der Popkultur gesprochen) und darin identifizierte Qualitätsunterschiede, die zur Bildung von Begriffen wie der Filmkunst führten, um Filmproduktionen, welche ihren künstlerischen Ausdruck (und damit verbunden oft engagierte Kunst wie Sozialkritik oder besonders experimentelle Werke) in den Vordergrund legen, von den gewöhnlichen (Kino)filmen abzugrenzen, denen ein weitgehend ausschließlich kommerzieller Charakter zugeschrieben wird. Der Gebrauch des Begriffes Kunst unter dieser Definition scheint innerhalb des Technetoismus nicht vertretbar, da der Technetoismus die Zuordnung von Kultur auf Grundlage ihrer Verbreitung, ihres typischen Themengebietes und ihren Zielen im Sinne der Autonomie dieser Audrucksmittel weitgehend ablehnt. Am ehesten – dies ist keineswegs eine wirklich genaue Aussage – beurteilt der Technetoismus die in der gesamten Kultur entstandenen Ausdrucksmöglichkeiten innerhalb der Kunst als allumfassende Register der Kunstsprache, deren an die Nachfrage und Interessen der Rezipienten angepassten Inhalte aus der "Massenkultur" unter Vorbehalten und Hinterfragung mit den dem typischen Publikum der "Massenkultur" bisher unzugänglichen Vielfalt an Stilen und Experimenten der "Hochkultur" ausgedrückt werden soll, um mit den umfangreichen gesammelten Möglichkeiten dem kreativen Willen des Menschen mit wohlüberlegten Werken zu begegnen.

  1. [1] Um einen möglichen Einwand zu diskutieren: Mit den technischen Methoden ist das Künstliche als Abgrenzung zur Natur äußerst strikt gemeint. So würde ich der potentiellen Kritik, dass Schauspiel oder gesangliche Musikinterpretation keine technische Methode sei, damit begegnen, dass auch hier das Künstliche (das Technische ganz im Sinne des griechischen technē) vorliegt, da der Mensch sich nicht infofern natürlich verhält, dass er etwas auf das Überleben orientierte tut, oder sich unter den unmittelbaren Prägungen und Einflüssen seiner natürlichen Umgebung verhält.

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Letzte Änderung: 21.01.2019 09:22:07 Uhr (CET)

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